Die Krim im Jahr 2010, damals noch Teil der Ukraine

Vor seinem Videovortrag am vergangenen Freitag (26. April 2024) nannte Dr. Rolf Zimmermann einige Daten zur Geschichte der Krim bis 2010, dem Jahr seiner Reise.

Die meisten Menschen in Westeuropa wissen kaum, wie extrem groß diese Halbinsel ist, nämlich fast so groß wie unser Nachbarland Schweiz. Im Jahr 2010 lebten dort rund 2 Millionen Menschen, davon 60% Russen, 25% Ukrainer und 12% Krimtataren. Dieser Bevölkerungsmix resultiert aus der wechselvollen Geschichte der Krim.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. errichteten die Griechen Kolonien an der Küste. Später folgten unter anderem die Römer, die Hunnen und die Mongolen. Im 15. Jahrhundert wurden die Tataren zum vorherrschenden Volk, allerdings unter der Oberherrschaft des Osmanischen Reiches. Das zaristische Russland annektierte 1783 unter Katha-rina der Großen die Krim und gründete die Städte Sewastopol und Simferopol.

Die Südwestküste hat ein ähnliches Klima wie die Riviera und so ließen viele russi-sche Fürsten hier ihre Sommerresidenzen bauen. Die "russische Riviera" entwickelte sich zu einer riesigen Kur- und Urlaubsregion, vor allem für Russen und Russinnen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden unter Stalin die Krimtataren und andere Nicht-Russen nach Zentralasien deportiert. Zwangsarbeiter wurden nach Deutsch-land verschleppt und durch weitere Kriegsopfer sank die Bevölkerungszahl auf der Krim dramatisch. Die sowjetische Regierung unter dem Ukrainer Chruschtschow be-schloss daher 1954 den Anschluss der Krim an die benachbarte Ukraine. Dies führte zu einer raschen Zuwanderung von Hunderttausenden ukrainischer Arbeiter und Bauern in die zu dünn besiedelten Gebiete der Krim.

Nach dem Ende der Sowjetunion befürworteten 70% der Bevölkerung die volle Un-abhängigkeit der Krim. Es gab aber auch starke Tendenzen für einen Anschluss an das (im Vergleich zur Ukraine) reichere Russland. Die Krim blieb jedoch Teil der Uk-raine, aber die Umgangssprache blieb gegen den Willen der ukrainischen Regierun-gen weiterhin Russisch. Angesichts dieser russisch geprägten Vorgeschichte ist es verständlich, dass die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 nur relativ schwache Reaktionen anderer Staaten hervorrief.

Doch nun zum Bericht über die Reise im Juni 2010. Sie beginnt mit einem Direktflug von Friedrichshafen nach Simferopol, mit einem Zwischenstopp in Rostock. Das Ho-tel ist riesig und liegt am östlichen Rand des Strandes von Jalta. Eine wichtige Se-henswürdigkeit in Jalta ist der ehemalige Sommerpalast der Zaren, in dem sich im Februar 1945 Stalin, Roosevelt und Churchill zur "Konferenz von Jalta" trafen. Jalta hat auch eine Kathedrale, weitere Paläste und eine sehenswerte Uferpromenade.

Ein Ausflug in den Norden führt zum ehemaligen Palast der tatarischen Khane aus dem 16. Jahrhundert. Ganz im Süden wird der Alupka-Palast mit seiner maurischen Löwenterrasse besucht, wo auch 10 (!) Massandra-Dessertweine verkostet werden.

Im Westen der Südküste liegt die Stadt Sewastopol. Hier erinnert das Panoramamu-seum an die grausamen Schlachten des Krimkrieges (1853-1856). Bei einer Boots-fahrt kommt man den Schiffen der russischen Schwarzmeerflotte und den bauglei-chen ukrainischen Kriegsschiffen ganz nah. Am Abend gibt es im Hotel noch eine beeindruckende Show der Kinder- und Jugendtanzgruppe von Jalta.

Der botanische Garten im Nachbarort Massandra erinnert stark an die Mainau und am letzten Aufenthaltstag wird das "Schwalbennest" besucht, eine mittelalterlich anmu-tende Burg auf einem Steilfelsen direkt am Meer. Sie wurde 1911/12 im Auftrag eines deutschen Barons erbaut und ist nun das bekannteste Wahrzeichen der Krim.


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